Sonntag, 27. Januar 2013

Zurück in Guanacaste.


Costa Rica ist in sieben Provinzen (bei uns Kantone) mit lokalen Verwaltungs-Behörden unterteilt: Alajuela, Cartago, Guanacaste, Heredia, Limón, Puntarenas und San José. Die Halbinsel Nicoya wird von zwei Provinzen eingenommen. Mal País liegt in der Provinz Puntarenas und Playas del Coco, wo wir uns nun für eine gute Woche befinden, in Guanacaste. Die Beiden sind landschaftlich völlig verschieden. Puntarenas nimmt vorwiegend die südliche Pazifikküste ein; es dominieren grüne Regenwälder, unterbrochen von noch grüneren Plantagen, der Tourismus blüht und das Klima ist eher tropisch.

 
Guanacaste belegt die nördliche Pazifikküste; hier findet man weite Ebenen, die steppenartig in Brauntönen gehalten sind, hier wird vor allem Viehzucht betrieben, das Klima ist heiss und trocken. In den Ebenen stehen weitausladende, einzelne Bäume, unter denen die Rindviecher Schutz vor der Sonne suchen. Das sind die National-Bäume von Costa Rica und geben der Provinz ihren Namen: Guanacaste. Da frage ich mich: Haben wir eigentlich auch einen National-Baum oder einen National-Vogel? Mir und Wernu sind keine bekannt. Nun ja, wir sind also vom Süden in den Norden der Nicoya-Halbinsel gegondelt. Eine abwechslungsreiche Fahrt. In Montezuma haben wir eine Nacht eingeschaltet und sind diesmal der Ostküste entlang gefahren. Da gibt es eine gut ausgebaute Hauptstrasse. In Liberia haben wir unter Applaus unser Mietauto wieder zurückgegeben. Der Einbruch-Schaden war auch für die beiden Muchachos im Vermietungsbüro nicht alltäglich. Mit dem Bus sind wir dann nach Playas del Coco weitergereist. Hier möchten wir nun ein bisschen ausspannen und ein paar Tauchgänge machen. Angefangen hat es mit einer Costa Rica-Fiesta, ähnlich wie wir sie schon in Santa Cruz erlebt haben. Einfach weniger gross, ohne den Volksfest- eher mit Chilbi-Charakter, aber mit den gleichen Biersorten. Heute unternahm dann Wernu eine Joggingrunde mit mir. Er sagt, das habe eine aufbauende Wirkung. Ich sage, er war wohl eher ein bisschen „borracho“ (deutsche Form unbekannt).

Mittwoch, 23. Januar 2013

Eine unschöne Erfahrung.


Wernu hat die angedeutete Trainingsrunde leider sausen lassen. Temperatur, Gesundheit, Badegelegenheit und andere Ausreden hielten ihn davon ab. Die vier Strände im Süden der Nicoya-Halbinsel, die Playas Hermosa, Santa Teresa, Carmen und Mal País, versprachen halt eine angenehme Pause nach der holprigen Hinfahrt. Also war Baden angesagt. Wernu wollte alle Strände besuchen. An der Playa Mal País fing er an und nach der schönen Playa Hermosa ging es an die Playa Santa Teresa.


Das Auto stellten wir jeweils auf den „öffentlichen“ Parkplatz und ich musste dort warten, bis es weiter ging. Ich habe mir dabei zeitweilig ein Nickerchen gegönnt. Darum habe ich vom ganzen Unheil, das da aufs Mal über uns hereinbrach, gar nichts bemerkt. Als Wernu nämlich zum Auto zurückkam, waren die Türen offen und der Rucksack weg. Nur ich lag noch da, mit meinem Zwilling. Oh du meine Güte, was hat der arme Kerl für Augen gemacht. Wo er doch das Auto abschliesst, wenn er fünf Meter daneben ein Foto schiesst. Das Portmonnee samt Inhalt, Kamera, Smartphone, Sackmesser, Taschenlampe und noch einiges mehr waren fort. Zum Glück hat Wernu die noch wichtigeren Sachen (Pass, Flugtickets, Kreditkarten, Laptop etc.) im Hotel verwahrt. Trotzdem, der Schock sass tief. Wie konnte das nur passieren? Nix war mehr mit Baden und ersten Surf-Versuchen. Ganz aufgeregt fuhren wir zu unserer Unterkunft zurück. Da war der Dieb zum Glück noch nicht. Die Hotel-Schlüssel im Rucksack waren nicht angeschrieben. Natürlich war der Polizei-Posten schon geschlossen. Darum fuhren wir erst am folgenden Tag dahin. Die Polizisten schickten uns zum OJI (Organismo de Investigación Judical). Dort machten wir dann unseren grossen Spanischtest. Der diensthabende Detektiv hat dabei einen wunderschönen Bericht verfasst. Nun haben wir unsere erste Millionenklage (Colones) eingereicht. Beim Fotografieren des Autos hat uns der Beamte gezeigt, wie der Dieb das Auto geöffnet hat. Dieser hat ein Loch in den Türrahmen auf der Führerseite gebohrt und mit einem langen Stab den Zentralverriegelungsknopf betätigt. Schwups gingen alle Türen auf. Wernu lag 50 Meter daneben im Sand und ich 50 Zentimeter auf dem Autoboden. Ringsum waren etwa zwanzig andere Fahrzeuge parkiert. Niemand hat das Geringste bemerkt. Eine unschöne Erfahrung. Schicksal, die Reise geht zum Glück weiter. Der Blog auch, halt nicht mit aktuellen Fotos. Aber Ihr werdet mir das wohl nicht nachtragen. Da bin ich sicher.

Sonntag, 20. Januar 2013

4x4 und Puerto Coyote.


In unserem Reiseführer wird die Fahrt im Geländewagen von Sámara nach Mailpaís als abenteuerliche Erfahrung beschrieben und wärmstens empfohlen. Da wollte ich natürlich Wernu unbedingt zeigen, dass ich in der Lage bin, diese 90 Kilometer lange Route auf Naturstrassen in den Süden der Nicoya-Halbinsel zu bewältigen. Wir teilten die Strecke in zwei Tagesetappen ein. Rolf hat uns noch die Gezeiten des ersten Tages herausgesucht. Die Flüsse sollte man nämlich ausschliesslich bei Ebbe überqueren. Weil sie sich im Mündungsgebiet zum Meer befinden, ist dies scheint‘s noch entscheidend. Und los ging die holprige Fahrt. Die Strasse ist ziemlich schmal, darum hiess es aufpassen auf Schlaglöcher und entgegenkommende Fahrzeuge. Es ist uns ziemlich gut gelungen. Mitten auf der Strecke erfuhren wir dann was eigentlich mit „4x4“ gemeint ist. Vier Toros mit je vier Beinen haben mit ihren vier Campesinos kurz für uns ihre Arbeit unterbrochen und posiert.



Es folgten wunderschöne Strände, die meist menschenleer, aber doch touristisch erschlossen sind. Einfach mit einem dazugehörigen Dörfchen und zwei-drei kleinen Hotels. Und irgendwie hatten die Flüsse aufs Mal alle Brücken. Die sind ziemlich einfach zu überqueren. Wir suchten uns ein Nachtlager in Puerto Coyote, da verhiess zumindest der Name ein Abenteuer. Der Besitzer der „Cabinas Coyote“, Rafael, fragte uns, ob wir Lust hätten mit ihm zum Fischen ans Meer zu fahren. Selbstverständlich hatten wir das. Das halbe Hotel fuhr alsbald an die Playa Caletas um ihr Glück zu versuchen. Die Ticos wollten dem Suizo zeigen, was das Meer hergibt. Die Petri-Jünger kommen gemäss Rafael aus ganz Costa Rica hierher. Das Gewässer sei extrem ergiebig, dank dem Rio Jabillo, der hier ins Meer mündet. Und tatsächlich die Fischer richten sich jeweils am Strand sogar eine Unterkunft ein, damit sie am Abend möglichst lange und am Morgen möglichst früh ihrem Hobby frönen können.


Ganz so erfolgreich waren wir dann allerdings nicht. Eine „Macarela“ und noch so ein ungeniessbarer „Pfannendeckel“ (wie eine Brachsle bei uns) war die ganze Ausbeute. Aber es wurde viel gelacht. Eine „Macarela“ ist wohl auch keine Trophäe. Am nächsten Morgen schärfte uns Rafael die Strecke ein und teilte uns die Gezeiten mit. Und diesmal war es wirklich wichtig. Am Ufer des Rio Jabillo wachsen Mangroven in denen Schlangen, Schildkröten und viele Vögel hausen. Wenn man im Auto abgetrieben werde, solle man beim Aussteigen darauf achten, nicht auf einen Baumstamm zu treten, es könnte womöglich ein Krokodil sein. Ich schaffte es ohne abgetrieben worden zu sein. Etwa fünf Kilometer waren dann sogar weglos am Strand zurückzulegen, auch dies ist bei Ebbe einfacher zu bewältigen. Das Navigationsgerät hat fast als Boot geführt. Noch bevor die Flut einsetzte, erreichten wir die Playa Santa Teresa, unser nächstes Ziel. Weil ich das so gut managte, gibts womöglich morgen eine Joggingrunde.

Freitag, 18. Januar 2013

Chelonidae – Saurier unserer Zeit.


Wernu und ich haben nach einer ziemlich holprigen Fahrt über unbefestigte Strassen im Hotel „Luna Azul“ in San Juanillo Station gemacht. Die Unterkunft wurde uns von Diana, ja die mit der schönen Fotoseite, schon in der Schweiz empfohlen. Die beiden Hotelmanager, Andreas und Rolf betreiben ihr kleines, aber sehr feines Hotel mit viel Herz und einer riesigen Service-Bereitschaft. Ihre Küche hat einen hervorragenden Ruf, was sich in der Praxis durchaus bewahrheitet hat. Wernu hat gesagt, der Red Snapper sei ein Gedicht und wenn Wernu poetisch wird, muss etwas dran sein.


Der eigentliche Hauptgrund für den Zwischenhalt war aber der berühmte Strand von Ostional. Bekannt ist er vor allem bei Naturfreunden. Hier legen die Bastardschildkröten („Lepidocheilys olivacea“ oder „La Lora“, wie sie hier sagen) bei Neumond ihre Eier in den warmen Sand. Diese brüten so quasi von selber rund sieben Wochen lang im Sand und dann schlüpfen die Jungtiere. Die eigentliche Arribada haben wir leider verpasst. Da kommen jeweils Tausende von „Loras“ gleichzeitig am Strand von Ostional an. Wir konnten aber zumindest kleine Schildkröten schlüpfen sehen. Sie sind extrem niedlich anzuschauen, wenn sie sich mit ihren Paddel-Beinen freischaufeln. Dann beginnt allerdings ein Kampf ums Überleben. Sie müssen möglichst rasch das befreiende Wasser erreichen. Es wird wortwörtlich ums Leben gerannt. Beobachtet wird der Strand nämlich nicht nur von Menschen, sondern auch von grossen Vögeln, die nur auf den Moment warten, wo sie sich einen Leckerbissen schnappen können. 


Die Schildkröten sollten nicht von den Menschen ins Wasser getragen werden, weil sie sich sonst kaum mehr an den Strand ihrer Geburt erinnern können. Dieser ist für die Fortpflanzung aber lebenswichtig. Sie werden nämlich als geschlechtsreife Erwachsene (15-20 Jahre, je nach Grösse) wieder dorthin zurückkommen um selber Eier zu legen. Sieben Meeresschildkrötenarten schwimmen noch durch die Weltmeere. Ihre Zahl hat sich leider drastisch reduziert. Der Mensch ist natürlich wieder mal hauptschuldig. Er bedroht die Tiere durch den Bau von Hotelanlagen, durch das Suppenkochen, die Fischerei oder mit der Abfall-Beseitigung (-Verschiebung). Der Strand in Ostional ist als Lebensraum der Bastardschildkröten geschützt. Übrigens werden hier auch immer wieder die grossen Lederschildkröten gesichtet. Diese Tiere werden 2,5m lang und wiegen schon mal um die 700 Kilogramm.

Dienstag, 15. Januar 2013

Fiesta Tipica de Santa Cruz.


Heute haben wir in Santa Cruz ein typisches costaricensisches Fest besucht. Der Ort liegt etwa dort wo die Halbinsel Nicoya anfängt und ist als Festhütte der Nation bekannt. So um den 15. Januar herum findet alljährlich, scheints seit nun bald 160 Jahren, jeweils die Fiesta Tipica mit Umzügen, Rodeos, Marimba-Bands, Chilbi, typischem costaricensischem Essen und allgemeinem Besäufnis statt. Genau dahin sind wir gefahren und es war mindestens so gut, wie die Reiseführer schreiben. Wenn man keine Minute verpassen möchte, bräuchte man eine unheimliche Ausdauer. Gefeiert wird nämlich rund um die Uhr und zwar vom Montag um 14 Uhr bis am Sonntag um 17 Uhr. Für mich wäre das ja kein Problem, aber Wernu ist halt nicht mehr Zwanzig. Und so haben wir nur einen Ausschnitt mitgekriegt. Angefangen haben wir mit einem Predigtbesuch im Stadtpark. Wernu hat gemeint, es sei dort ein Openair-Konzert. Weil es so sonnig war, hatten wir dann schon den ersten Durst. Von José liessen wir uns nicht nur eine Erfrischung servieren, wir fragten ihn auch grad ein bisschen über die Fiesta aus. Bereitwillig gab dieser Auskunft. 



So waren wir für den Umzug der Mascaras (Masken) und Sabaneros (Cowboys in Costa Rica) bereit. Das Ziel des Umzugs ist die mitten im Städtchen errichtete Stierkampf-Arena. Die Mascaras erinnern an die Fasnacht bei uns und sollen vor allem die Kinder erschrecken. Diese wuseln denn auch zuhauf um die Mascaras herum, währendem diese immer wieder ihre losen Arme herumschwingen und probieren einem Unvorsichtigen eins auszuwischen. Weiter hinten folgen die Sabaneros auf ihren wendigen, kleinwüchsigen Pferden. Sie sind wohl mit ihren Tieren verwachsen – später an der Bar haben diese nämlich vom Pferd aus bestellt und ihr Bierchen im Sattel genossen. In Guanacaste, so heisst die Gegend hier, haben die Sabaneros eine jahrhundertealte Tradition. Sie widmen sich insbesondere der Rinderzucht, darum haben diese dann auch den Hauptauftritt in der Stierkampf-Arena. Und dann gibt es auch noch eine „Reina“ unter ihnen. Weil Wernu schon wieder Durst hatte, schlenderten wir alsdann durchs Städtchen. 


Da spielte alle hundert Meter eine andere Marimba-Band. Die Marimba ist das National-Instrument Costa Ricas, ähnelt einem Xylophon, ist einfacher zum Aufschreiben, ist aus Mahagoni-Holz gefertigt und tönt echt hübsch. Sie wird von einem bis drei Spielern gespielt. Wenn der Durst dann nicht mehr so gross ist, zeigen die Sabaneros ihre Reitkünste in der Arena. Beim Stierkampf in Costa Rica geht es nicht darum, einen Stier zu töten, so wie beispielsweise in Spanien. Ziel ist es zu zeigen, was man als Sabanero drauf hat. Einige reiten auf den Tieren („Bull Riding“ à la USA). Andere werfen vom Pferd aus Lassos und fangen den Stier (alle mit Hörnern) wieder ein. Dann dürfen auch ein paar wagemutige Jungspunde in die Arena und probieren, die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich zu lenken, um sich dann mit einem Spurt und einem Satz auf die nächste Brüstung zu retten. Zwischendurch erwischt der Stier einen Übermütigen, meist aber nicht mit schweren Folgen. Die Rodeos werden täglich im Fernsehen gezeigt. Und diese laufen in jedem Restaurant. Die Temperatur rund um die Arena ging am Nachmittag auf weit über 30° und so gab es halt noch einmal Durst. Die Hotels in der Umgebung sind über diese Tage ausgebucht, darum bin ich mit Wernu weitergefahren und habe den Abend ausgelassen. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, wie die Geschichte dann jeweils weitergeht.




Montag, 14. Januar 2013

Städte in Costa Rica.


Die Städte Costa Ricas sind Ausgangspunkt für Ausflüge in zahlreiche Nationalparks, zum Besuch von Sehenswürdigkeiten oder für sportliche Aktivitäten in der Natur. So war beispielsweise Turrialba unsere Basis fürs Riverrafting auf dem Rio Pacuare, oder Alajuela für den Besuch des Vulkans Poas. Die Orte selber überzeugen nicht grad mit einem schützenswerten Stadtbild. Sie wurden zweckmässig, ohne viel Schnickschnack  gebaut. Zentral sind meist eine grosse Kirche, die Gemeindeverwaltung und ein Park. Die Städte sind meist noch gar nicht so alt. Andere wurden irgendwann mal durch ein Erdbeben verwüstet und wieder neu aufgebaut (Cartago). Darum findet man vielenorts Calles und Avenidas schachbrettartig angeordnet und durchnummeriert. Etwa in San José, Alajuela, Heredia oder in Liberia. Das Muster dazu steht wohl in New York mit seinen Streets und Avenues … oder in La Chaux-de-Fonds. Wenn man das System durchschaut hat, findet man sich gut zurecht. In San Jose beispielsweise verlaufen die Avenidas ostwestlich, die Strassen nördlich der Avenida Central tragen ungerade Nummern, diejenigen südlich gerade. Das gleiche gilt für die Calles, die nordsüdlich verlaufen. Die ungeraden Nummern befinden sich östlich der Calle Central, die geraden westlich davon. Einfach, nicht wahr? Ich gucke mich trotz allem jeweils gerne ein bisschen in den Städten um. Märkte, Bäckereien, Metzgereien, Blumenläden oder andere Spezialgeschäfte sind immer wieder interessant. Und manchmal erhascht man sich auch ein Foto-Sujet. In Turrialba erhebt sich der gleichnamige Vulkan hinter der Stadt. Das ergibt in dieser vom Strassenverkehr beherrschten Stadt wenigstens eine schöne Gesamtansicht. Dieser Vulkan ist noch aktiv und kann darum nicht besucht werden. Die Rauchfahne zeugt davon. Als Alternative dazu sind wir halt von Alajuela aus auf den Vulkan Poas gefahren. Dieser ist vergleichbar mit dem Irazú, einfach ein bisschen aktiver. Ein paar Rauchschwaden steigen da ständig auf. Vorher haben wir uns aber noch Heredia angesehen (gleich neben Alajuela) und uns ein feines Stück Torte in der besten Konditorei des Ortes gegönnt. Susana hat für uns nicht nur posiert, sondern die Torte auch richtig verziert. Der Kaffee war herrlich und mit den Leckereien zusammen eine Gaumenfreude.

Freitag, 11. Januar 2013

Riverrafting auf dem Rio Pacuare.

Ein weiterer Wunsch auf Wernus Traumreiseliste ging in Turrialba in Erfüllung. Zwei Tage „Schluuchböötlen“ auf einem der schönsten Rafting-Gewässer der Welt: dem Rio Pacuare. Franziska und Peter waren die Ideengeber für die Wahl des Anbieters und glücklicherweise ebenfalls mit von der Partie. Als eingefleischte Aareböötler und Aareschwimmer meinte Wernu natürlich, dies sei gemütliches Gondeln. Aber denkste, das ist Sport. Da war ich als Laufschuh, am schwierigeren zweiten Tag, absolut richtig am Platz. Der Rio Turrialba entspringt dem Talamanca-Gebirge und fliesst in die Karibik. Es hat Stromschnellen der Rafting-Kategorien III und IV. V ist die höchste offizielle Kategorie, VI machen nur „Locos“ (Verrückte). Die Fahrt führte über 29 Kilometer von St. Martin nach Siquirres. Das Gebiet ist grundsätzlich menschenleer und der Dschungel reicht bis ans Wasser. Das ergab für uns einen total anderen Blickwinkel.

Immer wieder sieht man vom Wasser aus wunderschöne Pflanzen, Bäume, Gesteins- oder Felsformationen und tosende Wasserfälle. Dazu wimmelt es von verschiedensten Wildtieren, Vogel- und Schmetterlingsarten. Unser Guide hiess Johnny, der Begleitbootsführer „Guapo“. Aufs Begleitboot, ein Gummi-Katamaran mit Doppelriemen, packten wir unsere Sachen (leider auch die Kamera) und die Küchenutensilien. Im Raft waren wir zu Sechst. Wir hatten noch zwei Französinnen an Bord. Rasch hat uns Johnny als Team eingespielt. Nur beim Kommando „Get down“ vergassen wir am Anfang, uns an der „Chicken line“ festzuhalten. Schon ziemlich schnell kamen auch schon die ersten schwierigeren „Rapids“. Wenn wir dann jeweils über eine schreckliche Welle hinunter auf die nächste, noch fürchterliche Welle rasten, diese frontal trafen und es uns dabei fast das Boot mit Wasser füllte, grinste Johnny hinten breit und kurz darauf folgte in aller Seelenruhe Guapo alleine mit seinem vollen Kahn und schipperte völlig easy über unsere angsteinflössende Stromschnelle.
 
Zwischendurch gab es Badestrecken und dann bot Johnny an, mit uns River Surfing zu machen. Dazu fuhren wir nach einer Stromschnelle mit vollem Paddel-Einsatz zurück zur letzten Welle, wo es so richtig zischt und braust. Da ist jeweils auch eine Art Widerwasser, welches einem fast an Ort hält. Johnny manövrierte daraufhin das Boot so an die Welle, dass es dieses auf der einen Seite touchiert und sich langsam mit Wasser füllt. Die Padler dort werden so richtig geduscht, meistens konnte er das Boot sogar drehen, dass auch die andere Seite ihre Dusche kriegte und bei gewissen Wellen schaffte er es sogar frontal. Coool! Es gab unterwegs natürlich ein feines Mittagsbuffet.

Am mittleren Nachmittag kamen wir an der Rios Tropicales Lodge an. Ein Ort mitten in der Natur mit herrlichem Blick den Pacuare. Dazu standen natürlich Hängematten zur Verfügung, damit man das auch richtig geniessen kann. Wunderschön. Pura Vida. Schon bald gab es Apéro und dann ein feines Znacht. Guapo und Johnny funktionieren auch als Küchenbrigade hervorragend. Das Rauschen noch immer im Ohr gingen wir wohl etwa um zehn Uhr ins Bett. Um acht Uhr wurden wir zum Zmorge bestellt. Zur Lodge gehören auch vier Zip Lines (Tyroliennes). Das ist nach dem Surfen wohl die beliebteste Touristen-Sportart in Costa Rica. Es gibt hier etwa 100 Canopying-Anbieter; bei uns sagt man Seilpark. Die durften wir am anderen Tag natürlich nutzen. Die Kabel sind so zwischen 80 und 200 Meter lang. Eine spassige Sache um uns das Warten zu verkürzen. Weil man den Schwierigkeitsgrad IV nur mit Sicherheits-Begleitung (Kajak) machen darf, ging es erst am späteren Vormittag weiter, als die Tagesausflügler kamen. Ich freute mich wie ein Kinderturnschuh auf diesen nächsten Teil. Und er hielt, was er versprach. Zusammen mit dem Asics-Laufschuh von Peter durften wir zuvorderst links und rechts den Padel-Takt angeben. Die Stromschnellen hiessen Huacas, Cimarron oder Dos Montañas und waren schon beinahe 200m lange Wasserfälle. Ich habe schon öfters Riverrafting gemacht, aber so etwas Packendes habe ich noch nie erlebt. Extrem. Ein bisschen matt von den vielen Erlebnissen und der Padlerei gab es noch ein Zvieri-Zmittag und dann ging es zurück nach Turialba, wo wir uns von Franziska und Peter verabschiedeten. Für uns geht es erst morgen wieder weiter.